Mitten in der Wüste ein Weg

Andachten zu den Sonntagen im Advent auf kirchenjahr-evangelisch.de


© iStock / svetikd

Die Adventszeit ist ja seit jeher eine ganz besondere Zeit. In ihr verschwimmen die Zeit-Ebenen: Der allererste Advent vor über 2000 Jahren, als Jesus in die Welt gekommen ist. Alle Jahre wieder die Erinnerung daran und die Vorbereitung auf das Christfest in diesem Jahr. Und als wäre das nicht schon genug, auch der Blick auf jenen Advent, zu dem Christus am Ende aller Zeiten kommen wird, um die Welt endgültig zu erlösen und zu versöhnen.

Die Adventszeit 2020 ist noch einmal anders besonders. Vieles von dem, was für die meisten von uns zu den Wochen und Tagen vor Weihnachten dazugehört, wird angesichts der Corona-Pandemie nicht möglich sein: gemeinsames Singen, Gottesdienste und Konzerte in gut gefüllten Kirchen, Adventsbasare und Weihnachtsmärkte, Feiern im Klassenverband, im Kreis von Arbeitskolleginnen und -kollegen und von Freunden, und so manches andere mehr. Stattdessen der tägliche Blick auf die Fallzahlen und die neuesten Ansagen zu den Schutzmaßnahmen. Und in alledem die Frage, wie Weihnachten wohl werden und sich anfühlen wird.

So bedrückend das ist, so sehr eröffnet es uns die Möglichkeit, die Adventszeit stärker in einer Weise zu erleben, wie sie lange gewesen ist: als Zeit zum Nachdenken, für einen (selbst)kritischen Blick, für suchende Augen und für hörende Herzen.

Für jeden der vier Adventssonntage finden Sie hier einen Vorschlag für eine Andacht zu Hause – allein oder im kleinen Kreis derer, die zu Ihnen gehören und mit denen gerade Gemeinschaft möglich ist. Anstelle einer Auslegung zum Hören oder Nachlesen finden Sie ein Bild zum Ausmalen und Vervollständigen – als Einladung, Ihre ganz persönlichen Gedanken zum Bibeltext festzuhalten.

Gott schenke uns, dass nach diesem anstrengenden Jahr in der Zeit vor Weihnachten unsere Verzweiflungen an Gewicht verlieren, dass wir aus dem Kreisen unserer Gedanken herausfinden und dass aus unserem so stumm gewordenen Leben ein neues Lied wird.

Anfangen

Die erste Kerze am Adventskranz wird angezündet.

Erster Advent.
Wir halten Ausschau nach dem Licht, das in die Welt kommen soll.
Nach Lebendigkeit und Leichtigkeit im Herzen. Nach Gemeinschaft.
Wir sehnen uns nach dem Tag, an dem diese mühevolle, dunkle Zeit nicht mehr ist.

Mach mit deiner Gegenwart unsere Vergangenheit hell, Gott.
Lass uns lernen, wofür wir dankbar sein können.
Mach unsere Gegenwart hell.
Lass uns liebevoll miteinander leben.
Mach unsere Zukunft hell.
Zeig uns, worauf es sich lohnt zu hoffen.

Wir warten und wachen und beten.
Du bist ja lange schon da.
Mach uns bereit dafür, dir zu begegnen.

Ein Lied Singen

Zum Mitsingen oder Anhören: „Wir sagen euch an den lieben Advent“, Strophe 1 (EG 17).

„Wir sagen euch an den lieben Advent“ (EG 17) gesungen von der Pfarre Gmünd-Neustadt unter Leitung von Christoph Maaß.

Den Wochenpsalm beten

Psalm 24, die Verse 1–10 nach Martin Luthers Übersetzung, revidiert 2017

Die Erde ist des HERRN und was darinnen ist,
der Erdkreis und die darauf wohnen.

Denn er hat ihn über den Meeren gegründet
und über den Wassern bereitet.

Wer darf auf des HERRN Berg gehen,
und wer darf stehen an seiner heiligen Stätte?

Wer unschuldige Hände hat und reinen Herzens ist,
wer nicht bedacht ist auf Lüge
und nicht schwört zum Trug:

der wird den Segen vom HERRN empfangen
und Gerechtigkeit von dem Gott seines Heils.

Das ist das Geschlecht, das nach ihm fragt,
das da sucht dein Antlitz, Gott Jakobs.

Machet die Tore weit und die Türen in der Welt hoch,
dass der König der Ehre einziehe!

Wer ist der König der Ehre?
Es ist der HERR, stark und mächtig,
der Herr, mächtig im Streit.

Machet die Tore weit und die Türen in der Welt hoch,
dass der König der Ehre einziehe!

Wer ist der König der Ehre?
Es ist der Herr Zebaoth; er ist der König der Ehre.

Ehre sei dem Vater und dem Sohn
und dem Heiligen Geist,

wie es war am Anfang, jetzt und alle Zeit
und in Ewigkeit. Amen.

Ein Lied singen

Zum Mitsingen oder Anhören: „Macht hoch die Tür“ (EG 1).

„Macht hoch die Tür“ (EG 1), gesungen bei der Einweihung der Universitätskirche Leipzig

Auf Gottes Worte hören

Lies aus Sacharja Kapitel 9, Vers 9–10

Du, Tochter Zion, freue dich sehr,
und du, Tochter Jerusalem, jauchze!

Siehe, dein König kommt zu dir,
ein Gerechter und ein Helfer,
arm und reitet auf einem Esel,
auf einem Füllen der Eselin.

Denn ich will die Wagen vernichten in Ephraim
und die Rosse in Jerusalem,
und der Kriegsbogen soll zerbrochen werden.

Denn er wird Frieden gebieten den Völkern,
und seine Herrschaft wird sein von einem Meer bis zum andern
und vom Strom bis an die Enden der Erde.

Gedanken zum Advent

Anstelle einer Predigt kannst du heute für dich oder zusammen mit denen, die mit dir feiern, das erste Feld im AdventsSonntagsKalender ausfüllen. Diesen findest du auf der letzten Seite dieser PDF

Ein Lied singen

Zum Mitsingen oder Anhören: „Tochter Zion“ (EG 13)

„Tochter Zion“ (EG 13), in einer Aufnahme aus der Evangelischen Kreuzkirche Essen

Beten

„In der Wüste bereitet dem Herrn den Weg,“ ruft die Stimme.
(Jesaja Kapitel 40, Vers 3)
Wo bist du?
Komm zu uns, Gott!
In diesen Ort / diese Stadt,
an den vergessensten Ort dieser Erde,
in unsere verschlossene, verängstigte Welt,
in mein Herz.
Komme bald!
Schenk uns Geduld.
Bring Heilung.
Und Nähe.
Und Licht.
Und Frieden.
Tröste uns.
Ebne dir einen Weg durch die Wüste.
Lass uns spüren, dass deine neue Welt anbricht.
Lass uns singen.
Und mach unsere Herzen weit und hell,
dass wir teilen, was wir haben,
dass wir anderen von dir erzählen,
dass wir lachen und lieben.

Gibt es Menschen, die dir heute besonders wichtig sind, die dein Gebet brauchen?
Oder gibt es etwas, das dich gerade besonders bewegt?
Dann ist hier Raum dafür, es Gott zu sagen.

Vater unser im Himmel.
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich
und die Kraft und die Herrlichkeit
in Ewigkeit.
Amen.

Segen

Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer.
(Sacharja Kapitel 9, Vers9b)

Gott erhalte uns unversehrt an Geist, Seele und Leib.
Christus zeige uns die Gerechtigkeit, die uns verheißen ist.
Der Heilige Geist mache uns fest im Glauben,
fröhlich in Hoffnung und unerschütterlich in der Liebe.
So segne und behüte uns der allmächtige und barmherzige Gott
+ der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.
Amen.

Musik

Zum Ausklang der Eingangschor aus der Kantate „Nun komm, der Heiden Heiland“ von Johann Sebastian Bach (BWV 62). So könnte es klingen, wenn Gott zu uns kommt.

„Nun komm der Heiden Heiland“, gesungen vom Collegium Vocale

Weitere Informationen für die Teilnahme an gottesdienstlichen Feiern in der aktuellen Situation finden Sie auf der Seite „Kirche von zu Hause“.

Zum Feiertag